Untreue und Partnerschaft
Fremdgehen und wissenschaftliche Erkenntnisse

Wenn man im engeren Freundeskreis die Frage stellen würde, ob jemand in seiner Ehe oder Partnerschaft schon einmal "untreu" gewesen sei, werden die Reaktionen oft genug von entrüsteter Zurückweisung bis zum beredten Schweigen reichen. Deshalb bauen wissenschaftliche Studien, die sich mit dieser Frage beschäftigen, auf anonyme Befragungen. Dennoch sind natürlich auch dann Antworten nicht ausgeschlossen, die das eigene Verhalten verstecken möchten. Jedenfalls finden sich in neueren Studien zum Thema Untreue Ergebnisse, die zumindest überraschen, wenn nicht gar elektrisieren. Die üblichen festgefahrenen Ansichten, dass beispielsweise Frauen weniger untreu als Männer sein sollen, können da kaum aufrechterhalten werden. Selbst bei untreuen Menschen ist aber der Wunsch vorherrschend, an einer einzigen Partnerschaft im Leben festzuhalten. Hier nun einige wichtige Ergebnisse:
Warum werden viele Menschen überhaupt untreu?
Der Traum vieler, ein ganzes Leben lang monogam zu bleiben, ist nur von verschwindend wenigen Menschen aufrechtzuerhalten. Die Macht der Hormone sorgt dafür, dass eher Promiskuität beim Menschen evolutionsmäßig angelegt ist. Während Männer durch das Testosteron angriffslustiger, sogar aggressiver sind und zur Verbreitung ihrer Gene nach möglichst vielen Partnerinnen suchen, die durch das Östrogenhormon mit z.B. vollem Haar und glatter Haut Gebärfähigkeit anzeigen, sind Frauen eher auf "Qualität" aus. Ein sehr markantes Männerkinn, das auf einen hohen Testosteronspiegels hinweisen könnte, ist beispielsweise für Frauen ein nicht unbedeutendes Merkmal.
Wann steigt der Wunsch nach Seitensprüngen, wie oft wiederholen sie sich und wie lange dauern sie?
Eine ganz frische Untersuchung unter weiblichen und männlichen Heterosexuellen, die untreu geworden sind, zeigt, dass die "Gefahr" eines Seitensprungs nach dem dritten Partnerschaftsjahr stark erhöht ist, nämlich bei Frauen zwischen dem 3.und 10. Jahr, bei Männern zwischen dem 3. und 6. Jahr der Partnerschaft. Damit ist widerlegt, dass das sogenannte "verflixte siebte Jahr" in der Ehe statistisch eine größere Rolle spielt. Aber: Ebenso gewiss ist, dass die übergroße Mehrheit der Befragten (mehr als 80 Prozent) sich eine stabile Partnerschaft und Treue wünscht. Insgesamt ergab sich, dass Frauen keinesfalls seltener als Männer Seitensprünge unternehmen: 55 % der Frauen und 49 Prozent der Männer hatten einen ersten Seitensprung, 17 % der männlichen und 20 % der weiblichen Befragten wiederholten dies ein zweites Mal. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind aber festzustellen, wenn um häufigere Wiederholungstaten geht. Hier schneiden die Männer schlechter ab, denn über ein Fünftel der Männer gegenüber nur 15 % der Frauen konnten in der Studie als eher "notorische" Täter ermittelt werden. Hinsichtlich der Dauer der Seitensprünge finden sich dagegen kaum geschlechtsspezifische Unterscheide: Bei den männlichen Befragten dauert ein Seitensprung bei 41 Prozent länger als einen Monat an, bei fast 30 Prozent sogar mehr als sechs Monate. Frauen verhalten sich nahezu gleich: 46 % lassen einen Seitensprung über einen Monat, 23 Prozent über sechs Monate andauern.
Was passiert denn überhaupt bei den Seitensprüngen?
Auf jeden Fall stehen Streicheln und Küssen auf dem Programm. Fast alle Befragten, ob männlich oder weiblich, gaben dies an. Petting und Oralsex standen ebenfalls ziemlich hoch auf der Agenda (91 bzw. 88 Prozent bei den Männern, 84 und 69 Prozent bei den weiblichen Befragten). Zum Geschlechtsverkehr kam es nach den vorliegenden Angaben bei 81 % der Männer und 77 % der Frauen. Sehr problematisch erscheint das Verhalten von untreuen Personen hinsichtlich des Schutzes vor Aids zu sein. Nur 55 Prozent der Männer (59 % der Frauen) trafen hier mit Kondomen entsprechende Vorkehrungen.
Was ist mit den Betroffenen und wie finden sie Untreue heraus?
48 Prozent der Männer gegenüber 53 Prozent der Frauen erahnen den Seitensprung des Partners und finden auch heraus (51 % Männer, 58 % Frauen), dass dies wirklich passiert ist. Die Methoden dabei sind zum Beispiel, dass die Taschen des Partner/der Partnerin untersucht werden, die Post kontrolliert oder E-Mails bzw. Handys "gecheckt" werden. Diese Kontrollen verstärken sich besonders dann, wenn die betrogenen Partner und Partnerinnen herausfinden wollen, ob der Seitensprung fortgesetzt oder wieder aufgenommen worden ist. Solche Kontrollen führen nach der Untersuchung 50 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen mehr oder weniger regelmäßig durch.
Was sagt uns diese Untersuchung zur Untreue insgesamt?
Deutlich wird, dass alte Denkmuster zur Frage der Untreue nicht mehr greifen. Frauen und Männer sind in der Gesamtbetrachtung ähnlich häufig untreu, Männer sind allerdings bei der Häufigkeit der Wiederholungen von Seitensprüngen deutlich in der Mehrzahl. Bei den Verhaltensweisen während eines Seitensprungs finden sich kaum gravierende Unterschiede. Dies gilt auch bei den Partnern, die betrogen wurden: Beide Geschlechter verhalten sich ähnlich, wenn's um die Kontrolle der untreuen Partner geht. Insgesamt müssen wir aber konstatieren: Der Wunsch in den Partnerschaften nach Stabilität und Langlebigkeit der Beziehung ist bei Männern und Frauen ähnlich groß, selbst wenn sie untreu geworden sind. Als äußerst bedenklich muss aber die mangelnde Bereitschaft untreuer Männer und Frauen eingeschätzt werden, sich vor Aids bzw. anderen Geschlechtskrankheiten zu schützen, wobei sich Frauen noch etwas vorsichtiger verhalten. Besonders bei häufigen Seitensprüngen sollte man für hinreichenden Schutz durch Kondome oder auch Aidstests vor dem ersten intimen Kontakt sorgen. Dies ist man sich selbst, aber auch dem neuen Partner schuldig.
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