Interview mit Kai Rieke - Geschäftsführer eDarling
25.10.2011 von Marcel KollmarWir hatten die Möglichkeit mit Kai Rieke, dem Geschäftsführer von eDarling, ein längeres Gespräch zum Thema eDarling, dem Dating-Markt und Produktentwicklungen zu führen. Kai Rieke ist einer der Gründer der Partnerbörse eDarling, die im November 2008 an den Start ging. Rieke ist dabei außerdem für den Bereich Marketing bei eDarling zuständig.
Online-Partnersuche.de: Wer sind Sie und was machen Sie?
Kai Rieke: Ich bin einer der vier Gründer und Geschäftsführer von eDarling und zuständig für den Erfolg von eDarling im Online-Marketing.
In zwei Sätzen: Warum sollte ein Single zu eDarling kommen?
Wir unterstützen Singles auf der Suche nach einer langfristigen und glücklichen Beziehung, in dem wir ihnen basierend auf einem umfangreichen wissenschaftlichen Persönlichkeitstest wirklich passende Partner vorschlagen. Wir schaffen ein sicheres Umfeld für eine entspannte Kontaktaufnahme, indem alle Nutzerprofile von uns von Hand geprüft werden.
Wie groß ist eDarling in Deutschland und was macht den Erfolg aus?
Mittlerweile nutzen über zwei Millionen Mitglieder unseren Service in Deutschland, europaweit sind es rund neun Millionen. Unsere Erfolgsfaktoren sind ganz klar unser wissenschaftlicher Matching-Algorithmus und ein Kundendienst, der besonderen Schutz vor Missbrauch und Fake-Profilen bietet.
Wie definieren Sie die Zielgruppe von eDarling?
eDarling wendet sich an Singles, die nach einer langfristigen und glücklichen Beziehung suchen. Dabei sprechen wir gleichermaßen Männer und Frauen an, die zwischen 28 und 59 Jahre alt sind. Es lässt sich feststellen, dass unser Produkt überproportional gebildete Personen anspricht, da der Anteil der Akademiker über dem Bundesdurchschnitt liegt.
2010 hat der US-amerikanische Marktführer eHarmony 30% der Anteile an eDarling übernommen. Was bedeutet dies für das operative Geschäft und die Produktausrichtung von eDarling?
Mit der Beteiligung von eHarmony haben wir nicht nur einen finanziellen, sondern auch strategischen Investor gewonnen. Die strategische Ausrichtung der beiden Partner und die Vorstellungen vom Produkt passten von Beginn an sehr gut. eHarmony und eDarling profitieren dabei gleichermaßen vom gegenseitigen Wissensaustausch. So konnten wir beispielsweise unseren Persönlichkeitstest erweitern und unseren Service um einige bewährte Funktionen ergänzen.
Anbieter wie eDarling, Elitepartner und PARSHIP haben insgesamt sehr ähnliche Produkte. Wo liegen Ihrer Meinung nach die stärksten Möglichkeiten zur Differenzierung?
Passende Partnervorschläge sind der Kern jedes Angebots. Wir differenzieren uns aber vor allem über unseren Service: Eine leicht zu bedienende Seite, handgeprüfte Profile zum Schutz vor Fake-Profilen und Missbrauch. Zum Serviceverständnis gehören auch unser geführtes Kennenlernen und und die Profilverifizierung. Außerdem steht unser Kundenservice an sechs Tagen in der Woche per Telefon, E-Mail und Chat persönlich für Fragen zur Verfügung.
Aktuell liegen in Deutschland nach Google Insights for search die drei großen Partnervermittler PARSHIP, ElitePartner und eDarling auf einem Niveau. Wo sehen Sie zusätzliche Wachstumspotentiale? Steht der Markt unmittelbar vor der Konsolidierung?
eDarling konnte sich mit seiner Kampagne mit den echten Paaren gut positionieren. Ein klarer Beweis dafür, dass wir keine Träume verkaufen, sondern unser Produkt funktioniert.
Klar, das Marktpotenzial ist recht stabil und weitgehend ausgereizt, Zugewinne gehen zu Lasten der Wettbewerber. Es wird wohl eine Konsolidierung geben, aber eher bei den vielen kleineren Anbietern. Als einer der führenden Anbieter werden wir das positiv zu spüren bekommen, da Nutzer zu vertrauenserweckenden Marken wechseln werden(Siehe auch Online-Dating-Studie 2011: Eine Boom Branche wird erwachsen).
Während sich PARSHIP international zurückgezogen hat, bricht eDarling zu immer neuen „Ufern“ auf. Mittlerweile ist eDarling in 12 Ländern vertreten, darunter auch die Türkei und Russland. Wie erfolgreich sind sie international?
Von Beginn an war eDarling international orientiert. Die Internationalisierung ist eine wichtige Säule unseres Wachstums. Aktuell haben wir fast 10 Millionen Mitglieder. 2012 wollen wir der größte Partnervermittler in Europa sein, denn die Entwicklung bestätigt unsere Strategie. Unser Team hat dabei einzigartige Erfahrungen mit der Internationalsierung sammeln können und ist mit der Türkei und Russland sogar in neue Kulturkreise vorgedrungen.
eDarling geht mit der neuen Plattform „betterDate“ den Weg Richtung Singlebörsen – was steckt hinter dieser Überlegung? Inwiefern funktioniert betterDate anders als eDarling?

Singles haben unterschiedliche Bedürfnisse. Einige wollen Ihren Partner viel lieber selbst suchen als Partnervorschläge zu erhalten. Durch betterDate können wir jetzt beide Zielgruppen bedienen. Die neue Plattform bietet die Möglichkeit, anhand von Suchkriterien Profile zu filtern und zu durchstöbern. Bei beiden Produkten gilt jedoch derselbe Qualitätsanspruch: handgeprüfte Profile, Missbrauchschutz, ein hoher Kundenservice sowie eine ansprechende Website und Spaß bei der Nutzung.
Facebook hat in Deutschland 22 Mio. Mitglieder – ist Facebook damit schon heute die richtige Alternative zum kostenpflichtigen Online-Dating-Service?
Bei Online-Dating-Services suchen die Mitglieder nach einem Partner fürs Leben, bei Facebook ist das nicht das vordergründige Anliegen. Deshalb sehe ich Facebook eher als eine weitere Möglichkeit für bestimmte Anlässe und Zielgruppen, weniger als eine Alternative. Bisher haben Facebook-basierte Dating-Services noch nicht viel Erfolg gehabt (SmartDate, Badoo, One-2-like), wobei das Konzept, über Freunde jemanden zu finden, vermutlich funktionieren kann.
Peter Schmid, der Geschäftsführer von PARSHIP, hat den Dating-Markt in einem Interview als einen Markt charakterisieren, in dem mit harten Bandagen gekämpft und zum Teil „bis an die Schmerzgrenze gegangen“ wird. Dabei bezog er sich indirekt auf eDarling - worauf führen Sie eine solche Aussage zurück?
Wir investieren sehr viel in die Qualität unseres Produktes und in die Werbung neuer Mitglieder. Das bekommen die Wettbewerber zu spüren. Wenn er das als „harte Bandagen“ und „Schmerzgrenzen“ definiert, mag er das so empfinden. Uns ist klar an einem fairen Wettbewerb gelegen.
Es geht viel Geld der Anbieter ins Marketing, bei einigen Anbietern bereits bis an die Schmerzgrenze: Sehen Sie bereits das Maximum der Werbe-Budgets erreicht?
Ganz klar: Die Werbebudgets drücken das Ergebnis. Es wird sich zeigen, welcher Anbieter hier effizient arbeitet, ein überzeugendes Produkt hat und mehr Kunden bei geringerem Werbebudget erreichen kann. Die Online-Partnervermittlung ist ein saisonales Geschäft und die Weihnachtszeit wird zeigen, welche Strategie die Anbieter verfolgen.
Sie sind insbesondere für das Online-Marketing zuständig. Können Sie hier einmal einen Einblick geben, wo Ihre Schwerpunkte im Online Marketing Mix liegen?
Der Schwerpunkt im Online Marketing Mix liegt ganz klar im Bereich SEM. Nirgendwo anders lassen sich so genau Nutzer abholen. Es wird wohl lange Zeit der wichtigste Kanal bleiben.
Produkt, Kundenfreundlichkeit oder Marketing – wo liegt Ihrer Meinung nach der Erfolg von eDarling begründet?
Marketing ohne ein gutes Produkt ist sinnlos. Während Marketing für die entsprechende Aufmerksamkeit und Kundengewinnung sorgt, sind Produkt- und Servicequalität ausschlaggebend für Kundentreue. Zweieinhalb Jahre nach dem Start haben wir Tausende Paare, die sich bei eDarling gefunden haben. Ich bin überzeugt, dass wir sind in allen Bereichen gut aufgestellt sind.
Wie wichtig sind Mobile-Applications wie iPhone- und iPad-Apps in der Online-Partnersuche?
Der Bereich Mobile gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es ergeben sich ganz neue Möglichkeiten (beispielsweise location based services). Aber es entstehen auch neue Herausforderungen. Auf dem iPad lässt sich unser Service komfortabel nutzen. Hier ist keine App notwendig, denn es reicht unsere normale Website. Vom Smartphone aus lässt sich durch Browser und Emailpostfach unser Service zwar einfach nutzen, aber niemand wird große Lust verspüren unseren Persönlichkeitstest mit über 280 Fragen auf einem kleinen Handydisplay ausfüllen zu wollen. Hier liegen die Herausforderungen, auf die wir Antworten finden werden.
Was werden die wichtigsten Entwicklungen für eDarling und den Dating-Markt in 2012 sein?
Wir wollen 2012 die größte Online-Partnervermittlung in Europa werden und näher an die Zahl von 20 Millionen Mitgliedern gelangen. Ein Thema im Dating-Markt wird die Konsolidierung sein, die aber vermutlich eher im Mittelsegment stattfinden wird.
Welche Fähigkeiten braucht man, um eine Partnerbörse zu leiten?
Inhaltlich braucht man sicher eine Vision, Glaube an die Kraft der Liebe und die Gewissheit, dass sich stabile Beziehungen berechnen lassen. Als Geschäftsführer braucht es dieselben Qualitäten wie woanders auch: Innovationskraft, Wagemut, Konsequenz und Spaß an der Sache.
Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich versuche so viel Zeit wie möglich mit meinem Sohn, meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Ich bin sehr unternehmungslustig und Berlin hat in diesem Punkt wirklich viel zu bieten.




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